Lebensraum Garten – Gestalten mit und für Kinder

Wo sonst werden die Jahreszeiten im Wachsen und Vergehen so sinnlich spürbar und hautnah erfahren wie im eigenen Garten. Begleiten Sie Maria Braunschmidt auf einem zauberhaften Gartenspaziergang und lassen Sie sich inspirieren …

Gerade zu Beginn des Frühjahrs wird jeder Ausflug in den Garten mit einer neuen Entdeckung belohnt: Hier spitzen die ersten bizarr geformten und duftenden Zaubernussblüten. Dort laden die pelzigen, kuscheligen Weidenkätzchen zum Streicheln ein. Von den Haselnussblüten wehen gelbe Blütenstaubschwaden, die mit Tapetenkleister vermischt eine prachtvolle Naturfarbe ergeben. Und überall sprießen die ersten Zwiebelblüher selbst durch unwirtliche Schneefelder hindurch. Schneeglöckchen, Krokusse und ihre Verwandten rufen bei Kindern immer großes Staunen hervor, weil sie gleichsam aus dem „Nichts“ der Gartenerde hervorbrechen und mit ihren bunten Farbflecken die Gartensaison einläuten.

Schokoladen- und Gummibärchenduft

Jetzt im Frühling ist immer auch Pflanzzeit und Zeit, den Garten umzugestalten. Für Kinder im Krabbelalter sind besonders die elementar sinnlichen Eindrücke der Pflanzen von Bedeutung: Dufterlebnisse wirken auf das Unterbewusstsein des Menschen, prägen sich oft ein Leben lang ein und werden zu nachhaltigen Kindheitserinnerungen.

Schokoladen-Kosmee und Gummibärchen-
Blume® riechen verlockend nach der Kinder liebsten Süßigkeiten. Ruheplätze, Treppenaufgänge und verwunschene Ecken lassen sich mit Damaszener- oder Zentifolienrosen, mit Flieder, Jasmin, Wicke, Duftpelargonien oder Lavendel in eine besondere Atmosphäre tauchen. Nachts verströmen Madonnenlilie, Nachtkerze und Nachtviole ihren betörenden Duft und verbreiten daher vor allem in der Nähe eines geöffneten Schlafzimmerfensters ihre wohltuende Wirkung.

Tippi und Hexenhaus im Hollerbusch

Ältere Kinder lieben es, ihre kreativen Ideen zur Gartengestaltung einfließen zu lassen. Wichtig sind ihnen vor allem Rückzugsmöglichkeiten, wo sie ungestört eintauchen können in ihre Fantasiewelten der Hexen, Indianer oder Feen. Dafür eignen sich Gebüsche mit robusten Eigenschaften, wie z.B. Hainbuche, der Rote Hartriegel oder der süßlich duftende Pfeifenstrauch. Der Haselstrauch bietet zudem essbare Früchte und ebenso wie der gemeine Schneeball biegsame Ruten zur Herstellung von Pfeil und Bogen. Das Mark der Stängel des Schwarzen Holunders lässt sich entfernen und fertig sind Blasrohre für die Jagd auf fiktive Ungeheuer. Ist im Garten nicht genügend Platz für ein ausladendes Spielgebüsch, kann man auch mit Rankpflanzen geschützte Bereiche schaffen.
Ein grünes Tippi aus stabilen Stangen, das mit Feuerbohnen, stachelloser Brombeere, Clematis-Arten oder Akebie überwuchert ist, passt auch in den kleinsten Garten. Reizvoll sind auch wuchernde Weidenhäuser und –tunnel, die inzwischen weite Verbreitung gefunden haben.

Tierische Besucher

Auf ihren Streifzügen durch ihr Gartenreich lieben es Kinder vierbeinigen oder geflügelten Wesen zu begegnen und sie zu beobachten. Durch eine gezielte Pflanzenwahl kann man Tiere in den Garten locken. So ist eine Brennnesselwildnis eine attraktive Kinderstube für viele Schmetterlinge, der Faulbaum für den beliebten Zitronenfalter. Als Nektarquelle bevorzugen die Falter den Schmetterlingsstrauch, viele blühende Küchenkräuter, Verbenen, Astern und andere Blütenpflanzen. Vögel fühlen sich in einer Umgebung wohl, in der ungestörte Ecken zum Nisten und ein großes Angebot an Beeren tragenden – möglichst einheimischen – Gehölzen vorhanden ist. 8

Schönes Gift

Auch Kinder naschen natürlich sehr gerne die Früchte im Garten. Dabei ist ein Teil der
Pflanzen ungenießbar oder sogar gefährlich beim Verzehr. Wenn das Maiglöckchen blüht, lieben es die Kinder, davon ein wohlriechendes Sträußchen zu binden. Besonders die Beeren dieser Pflanzen sind giftig. Aber sollen wir die Maiglöckchen und alle giftigen Pflanzen deshalb völlig aus dem Garten verbannen? Ich meine nein. Erwachsene sollten die Pflanzen in ihrem Garten gut kennen – evtentuell Bücher und Fachleute hinzuziehen. Auf diese Weise gewinnen Sie Sicherheit und können Ihren Kindern mögliche Gefahren erklären. Kinder, die sich mit Pflanzen und der Natur umfassend vertraut machen dürfen, sind besser gegen Gefahren gewappnet als Kinder, denen alle möglichen Gefahrenpotentiale aus dem Weg geräumt werden. Im Zweifelsfall können besonders bei Kleinkindern verlockende giftige Beeren in Kinderhöhe entfernt werden. Was jedoch giftig und gefährlich ist, darüber gehen die Expertenmeinungen weit auseinander. Übereinstimmung gibt es in der Beurteilung von vier Gehölzen, die in der Umgebung von Kindern nicht verwendet werden sollen: Seidelbast, Pfaffenhütchen, Goldregen und die Stechpalme.

Tischlein deck Dich

Ein eigenes Naschbeet im Garten ist eine wirksame Möglichkeit, Kinder von giftigen Pflanzen abzuhalten. Dort gedeihen zur ungetrübten Freude der Leckermäuler verschiedene Beerensträucher und kleinwüchsige Obstbäume, wenn es der Platz erlaubt. Eine Bereicherung der Kulturarten stellen manche Wildsträucher dar: Die Beeren von Felsenbirne oder Wildkirschen sind roh verzehrt ein besonderer Genuss. Aus den Früchten von Kornelkirsche, Zierquitten, essbarer Eberesche und den Hagebutten einiger Wildrosen lassen sich köstliche Marmeladen herstellen. Darüber hinaus bietet ein kleines Gemüse- und Kräuterbeet das Jahr über frische Rohkost zum Knabbern und Zutaten für das gemeinsame Familienmahl. Mit essbaren Blüten von Borretsch, Gänseblümchen, Kapuzinerkresse, Ringelblume, Taglilie oder Zucchini wird schließlich jedes Gericht zum Augenschmaus.

 Familienplatz Garten

Gärtnern mit den Kindern ist auch für uns Erwachsene eine wundervolle Möglichkeit, Zeit mit ihnen zu verbringen, eine Auszeit vom Berufsalltag zu nehmen, zu entspannen und wieder den Kontakt zur Natur zu finden. Wie die Kinder sich über die Jahre entwickeln, so wird sich auch der Garten entwickeln, heranreifen, einen anderen Charakter bekommen. Die einprägsamen Erinnerungen an den Garten der Kindheit jedoch wirken in vielen Erwachsenen noch lange Jahre nach. •

Maria Anna Braunschmidt-Weidinger Umweltpädagogin, Vierkirchen

Aufstellung der heimischen Giftpflanzen hier

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