Ist das Babyblues?

Ulrike Wecker vom Verein „Schatten und Licht“ kennt sich bestens aus in dem Themenfeld Babyblues, nachgeburtliche Depressionen und Psychosen. Sie begleitet und unterstützt betroffene Frauen aus dem westlichen Münchner Umland und der Stadt München im Auftrag der Beratungsstelle für Natürliche Geburt und Elternsein in der Häberlstraße in München und des Selbsthilfevereins „Schatten und Licht“.

Etwa 10-20% aller Frauen geraten während der Schwangerschaft oder nach der Geburt ihres Kindes in eine psychische Krise. Nicht alles ist rosa, wenn man in freudiger Erwartung ist – aber frau denkt, dass genau diese Glückseligkeit von ihr erwartet wird. Doch das Mutterwerden ist die größte Umstellung im Leben einer jeden Frau, nicht nur körperlich sondern vor allem auch psychisch. Es kommen, gerade beim ersten Kind, viele Fragen auf. Schaffe ich das? Wie verändert sich mein Leben und das Leben meines Partners? Wird mein Kind gesund sein? Und viele weitere. Hinzu kommen immense Veränderungen und Schwankungen im Hormonhaushalt der Frau, auch leider traumatische Geburtserlebnisse, Schwierigkeiten beim Stillen, häufig das Fehlen einer Hebamme und nicht zuletzt verletzende Kommentare des eigenen Umfeldes. Der beim ersten Kind einsetzende Kontrollverlust über das eigene Leben, ja sogar den eigenen Körper stellt für immer mehr Frauen ein großes Problem dar. Gerade in den ersten Tagen nach der Geburt machen sich all diese Faktoren sehr bemerkbar, in einigen Fällen kann es aber auch noch Monate nach der Geburt zu einer Krise kommen, zum Beispiel wenn der Partner nach den ersten Wochen wieder seinem normalen Arbeitsalltag nachgeht und die junge Mutter nun mit dem Kind allein zu Hause ist. Trotz der gutgegangenen Geburt eines gesunden Kindes beginnt sich eine Verzweiflung, Traurigkeit breitzumachen. Man beginnt immer häufiger zu weinen, zu zweifeln, schafft nichts mehr, kann sich schlecht konzentrieren, nicht mehr schlafen (auch wenn das Baby gut schläft), fühlt sich unsicher, als schlechte Mutter, entwickelt Schuldgefühlte, grübelt mehr und mehr oder hängt in einem Gedankenkarusell fest. Freudlosigkeit breitet sich aus, Angst das Haus zu verlassen, all dies können Anzeichen einer nachgeburtlichen Depression sein.

Wann besteht Handlungsbedarf?
Kurz nach der Geburt handelt es sich meistens um den sogenannten Babyblues, der so wie gekommen auch nach nur wenigen Tagen wieder geht. Falls dies aber mehr als 10-14 Tage anhält, sollte unbedingt Hilfe gesucht werden. Die Psyche versucht die Notbremse zu ziehen. Je länger man eine Depression ohne Behandlung durchmacht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Chronifizierung bzw. desto länger wird auch die Behandlungsdauer sein. Je früher was unternommen wird, desto schneller sieht man Erfolge. In sehr vielen Fällen ist auch keine medikamentöse Behandlung nötig, sondern hier bieten uns alternative Heilmethoden großartige Möglichkeiten. Akkupunktur, Homöopathie, Tees, traditionelle chinesische Medizin oder naturidentische Hormonpräparate sind – immer in Absprache mit Fachpersonal – eine sehr gute Wahl. Auch entlastende Gespräche bzw. eine Therapie können sehr hilfreich sein.

Was kann man im Vorfeld tun?
Schon im Vorfeld kann man Vorkehrungen treffen, besonders wenn man schon einmal eine psychische Krise hatte, denn dann ist die Wahrscheinlichkeit nach der Geburt wieder eine zu bekommen, größer. Bereits in der Schwangerschaft empfiehlt es sich frühzeitig, neben der Ausstattung für das kommende Menschlein, auch um die Versorgung der werdenden Mutter zu kümmern. Ist der Partner gleich nach der Geburt in Elternzeit? Kann mich meine Familie, meine Freunde unterstützen oder besser es wird ein Antrag auf Haushaltshilfe für die erste Zeit nach der Geburt gestellt. Diese muss in den meisten Fällen selbst gesucht werden. Gibt es gar eine Mütterpflegerin (diesen Beruf haben wir in der letzten Ausgabe vorgestellt) im Umkreis die mich unterstützen kann? Denn sehr wichtig ist zu wissen, frau darf loslassen und sich erstmal nur um sich und das Baby kümmern.
Wenn frau es schafft zu akzeptieren, dass Hilfe annehmen gut, leicht und vor allem eine Stärke ist, dann kann alles gut werden!

Infos und Angebote der Selbsthilfeinitiative Schatten & Licht e.V. finden Betroffene und Angehörige unter www.schatten-und-licht.de

(HONEY Sta)