Rettet die Bienen! (Artikel aus der Ausgabe 07_08 2018)

Albert Einstein hat angeblich einmal gesagt: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.”

In manchen Gegenden Chinas ist es bereits soweit: die Bestäubung des Obstes erfolgt mühevoll durch Menschenhand und Blütenpollen werden in kleinen Tüten verkauft. In Deutschland stehen schon mehr als 60% aller Bienensorten auf der Roten Liste gefährdeter Arten.

Warum sind die Bienen gefährdet?
Grund dafür ist einerseits der Einsatz von Spritzmitteln wie z.B. Neonicotinoide, die Bienen geruchs- und orientierungslos machen, so dass sie nicht mehr zu ihrem Bienenstock zurückfinden. Andererseits ist aber auch eine zunehmend fehlende Lebensgrundlage für die Bienen der Grund für das Bienensterben. Monokulturen wie Raps oder Mais, aber auch die Eintönigkeit von Rasen und Hecken in unseren Gärten, stellen eine Wüste für die Bienen dar. Laut einer aktuellen Studie der Freien Universität Berlin produzieren Stadtbienen mittlerweile mehr Honig als Landbienen, da sie aufgrund der Balkonblumenvielfalt, Parkanlagen und dem Trend des „Urban Gardenings“ mehr Nahrungsquellen finden.
Dabei sind es nicht nur die Honigbienen, die den wichtigen Beitrag der Bestäubung leisten. Um unsere Versorgung, Vielfalt und Qualität von Nahrungsmitteln zu sichern, sind wir in hohem Maße auch auf die Wildbienen angewiesen. Insbesondere die rote Mauerbiene sammelt ihren Nektar bevorzugt an Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Zwetschgenbäumen, und sie fliegt bereits ab März, wenn es für die Honigbiene noch zu kalt ist. Die Wildbienenarten, zu denen übrigens auch die Hummel zählt, leben im Gegensatz zur Honigbiene solitär, jedes Weibchen baut also sein eigenes Nest. Um den Wildbienen eine Wohnmöglichkeit anzubieten, eignet sich übrigens nicht jedes „Insektenhotel“, welche im Handel angeboten werden. Oft sind die Unterbringungsmöglichkeiten so angeordnet, dass eine Insektenart die Larven der anderen auffrisst.

Wildbienenhotel selbst bauen
Ein „Wildbienenhotel“ lässt sich relativ leicht selber herstellen. Es eignen sich gut abgelagerte, entrindete Hartholzklötze aus Buche, Esche oder Eiche, die kein Harz absondern, welches die Flügel verkleben könnte. Es sollten keine Holzscheiben sein, da diese zur Rissbildung neigen und die Flügel der Bienen kaputt machen könnten. Mit scharfen Qualitätsholzbohrern (um splitterfreie Löcher zu bohren) werden dann Nistgänge mit Durchmessern von 2-6 mm gebohrt, als Abstand eignet sich der 2,5-3fache Bohrdurchmesser. Wichtig dabei ist, die Löcher ins Längsholz (dort wo die Rinde war) zu bohren und den Holzblock nicht komplett zu durchbohren! Am Besten bringt man das Hotel in südöstlicher Richtung ca. 1 m über dem Boden an.

Bienen Nahrung anbieten
Die andere Möglichkeit, die nahezu jeder nutzen kann um den Bienen zu helfen, ist, ihnen mehr Nahrungsquellen anzubieten. Wichtig dabei ist, dass im Garten oder auf dem Balkon unterschiedliche Pflanzen zu unterschiedlichen Jahreszeiten blühen, denn die Tiere sammeln nicht nur im Frühjahr. Bienen ernähren sich u.a. – wie übrigens auch der Mensch – gerne von blühenden Küchenkräutern wie Schnittlauch, Thymian, Salbei, Minze, Lavendel, Basilikum und Rosmarin. Wer sich ein Blumenbeet anlegen will, kann Gewächse wie Wilde Malven, Glockenblumen, Lupinen, Zierlauch, Sonnenblumen oder Lobelien pflanzen. Auch Kletterpflanzen wie Efeu und Wilder Wein sind bei den Bienen recht beliebt. Vermieden werden sollten dagegen Blumen mit gefüllten Blüten wie Rosen, Chrysanthemen, Dahlien, Pfingstrosen und Kamelien. Wer eine Hecke pflanzen will, kann auf die für den Menschen nützlichen Sorten wie Weißdorn oder Kornelkirsche zurückgreifen. Auf „Bienenweidenmischungen“ im Handel sollte verzichtet werden, denn sie beinhalten oft importierte Gewächse, die für die Bienen nutzlos sind.

Bienenkiste oder Bienenbox
Wer keine Scheu vor dem direkten Kontakt mit Bienen hat, und nicht gleich Imker werden will, der kann sich eine Bienenkiste oder Bienenbox nach Anleitung selber bauen und sich die Tiere im eigenen Garten halten. Dabei geht es in erster Linie nicht um den Verkauf von Honig, sondern um die natürliche Bienenhaltung und -erhaltung. Der geerntete Honig reicht in jedem Fall für den Eigenbedarf, und der Arbeitsaufwand beläuft sich auf familienfreundliche 20 Stunden im Jahr. Egal was man tut, jeder Beitrag zählt um weiterhin unsere Nahrungsversorgung zu sichern.•  honey ms

 

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Die Bienenkiste
ISBN: 978-3-89566-309-3 Wesensgemäße Bienenhaltung in der Bienenkiste
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Erhard Maria Klein (pala)
Bienen halten, aus Liebe zur Natur: Dank der Bienenkiste ist der Einstieg in die Bienenhaltung relativ einfach.